El Salvador

Gewaltfreie Räume für Kinder

Montreal ist einer der gefährlichsten Stadtteile von El Salvadors Hauptstadt San Salvador. Das Viertel liegt genau zwischen zwei Gebieten rivalisierender Banden, die sich bekämpfen. Es geht um Drogenhandel, Gewalt und Kriminalität.

Für die Kinder und Jugendlichen des Viertels stellt sich die Herausforderung ihre Freizeit sicher zu gestalten und die Gewalt aus ihrem Alltag herauszuhalten. In Montreal arbeitet der CINDE, eine Organisation, die von terre des hommes unterstützt wird. Die Mitarbeiter des Vereins haben das Ziel, für Kinder und Jugendliche, die einem besonderen Gewaltrisiko ausgesetzt sind, gewaltfreie und sichere Orte zu schaffen. In den drei Jugendzentren gibt es Hausaufgabenhilfe, Tanz- und Theaterkurse und kulturelle Aktivitäten. Ein wichtiger Bestandteil der Projektarbeit ist die Einbindung ihrer Eltern.

Für die Kinder und Jugendliche des Viertels sind die Zentren mehr als ein Ort zum Hausaufgaben machen und Spielen: Für viele ist es eine Art Zufluchtsort, an dem sie nicht mit ihren Problemen von zu Hause konfrontiert sind. Auch die 15-jährige Andrea lebt im Viertel Montreal. Sie ist heute ein aufgewecktes, offenes Mädchen und freut sich, ihre Freizeit gewaltfrei in geschützten Räumen verbringen zu können.

Das war nicht immer so. »Früher«, erzählt sie, »war ich schüchtern und hatte in der Schule schlechtere Noten. Aber ich habe mich verändert.« Und das liege vor allem am Angebot von CINDE. Inzwischen übernimmt sie in den Zentren mehr und mehr Aufgaben. Maribel ist die Leiterin des Projektes. »Früher gab es hier für die Kinder und Jugendlichen des Viertels niemanden, der sie in ihrer persönlichen, emotionalen und kreativen Entwicklung gefördert hätte. Hier setzen wir mit unserer Arbeit an.«

Aus Stiftungerträgen erhält CINDE von 2012 bis 2016 74.000 Euro für sichere Räume für Kinder in San Salvador.


Suche nach verschollenen Angehörigen

Der juristische Kampf hatte sich gelohnt: 2008 wurde der Staat El Salvador zum ersten Mal infolge des Bürgerkriegs verurteilt. Es ging um die gewaltsame Verschleppung der Geschwister Serrano Cruz im Jahr 1982. Ein Erfolg der Menschenrechtsorganisation Asociación Pro Búsqueda, der Vereinigung für die Suche. Der gemeinnützige Verein wurde 1994 von Familien gegründet, die nach ihren im 13-jährigen Bürgerkrieg vermissten Angehörigen suchten. Pro Búsqueda versucht den Aufenthaltsort von Jungen und Mädchen herauszufinden, die während der bewaffneten Kämpfe verschwanden. Sie baute eine Datenbank mit genetischen Informationen auf, um Verwandte zu identifizieren. Fast 800 Familien nutzten seither die Hilfe des Vereins, um über das Schicksal der Kinder und Geschwister endlich Gewissheit zu bekommen. Rund 300 von ihnen konnten schließlich wieder Verbindung mit ihren Angehörigen aufnehmen.

Zudem hilft die Organisation Betroffenen bei ihren Ansprüchen auf Wiedergutmachung, die der Staat bis heute verweigert. Sie kämpft damit auch um Wahrheit und Menschenwürde für die Einzelnen in einem Land, das die Vergangenheit bewältigen und einen Weg in die Zukunft finden muss.

Bis 2008 betrug die Unterstützung der Asociación Pro Búsqueda 62.500 Euro.

Spuren des Bürgerkriegs: Kinder auf einem Gedenkmarsch in San SalvadorFoto: terre des hommes